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Einem Flüchtling die Hand reichen, 16.02.2009

Norddeutsche Neueste Nachrichten

          Einem Flüchtling die Hand reichen

16. Februar 2009 von Irene Burow


"Save me Rostock - Eine Stadt sagt ja!" ist das Motto einer bundesweiten Aktion, die auch in der Hansestadt Unterstützung findet. 60 Rostocker haben sich bereits gefunden, die als Paten einem Flüchtling die Hand reichen.

"In Europa sind demokratische Strukturen normal, doch für meine Meinungsäußerungen wurde ich in der Türkei festgenommen und von einem Gericht zu vielen Jahren Haft verurteilt", sagt Imam-Jonas Dögüs (42). Er habe am eigenen Leib Menschenrechtsverletzungen erfahren und sei mit einem Schlepperunternehmen über Griechenland nach Deutschland geflohen. "Im Alter von 14 Jahren habe ich mit der oppositionellen Arbeit angefangen, weil mir die staatlichen, gesellschaftlichen und traditionellen Strukturen in der Türkei nicht gefallen haben", so Dögüs. Er habe Demonstrationen organisiert und sei Mitglied in einer Partei gewesen, die in seinem Heimatland verboten ist.

Der heute 42-Jährige, der in Rostock lebt, hat seine Vergangenheit nicht vergessen und weiß, wie schwierig es oft für Flüchtlinge ist, sich in einem anderen Land heimisch zu fühlen. Deshalb unterstützt er die zum 60. Jahrestag der Menschenrechte durch die Antirassistische Initiative Rostock (Air) ins Leben gerufene Kampagne "Save me Rostock - Eine Stadt sagt ja!" Nachdem die bundesweite Aktion bereits in München, Aachen und Berlin Erfolge verzeichnen konnte, setzen nun auch Rostocker ein deutliches Zeichen, indem sie symbolisch eine Patenschaft für Flüchtlinge übernehmen. Mit dieser Willensbekundung erklären sich die Paten bereit, einem neuen Mitbürger zu helfen, sich in der Stadt zurechtzufinden. Darüber hinaus gibt es keine weiteren Verpflichtungen.

Mit dieser Aktion soll der Flüchtlingsschutz auf lokaler Ebene verankert werden.

37 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Obwohl Imam-Jonas Dögüs seine Geburtsland verlassen musste, gehört er zu jenen Flüchtlingen, die eine Chance für ein anderes Leben erhalten haben. Für unzählige weitere Flüchtlinge ist das nur ein Traum. Denn nach Aussagen der Vereinten Nationen sind derzeit rund 37 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Hunderttausende Menschen sitzen am Rande von Krisengebieten in Lagern der Vereinten Nationen fest, die den Flüchtenden keine dauerhafte Lösung bieten.

Eine Möglichkeit, besonders hilfsbedürftigen Menschen, die weder in ihr Herkunftsland zurückkehren können, noch in dem Zufluchtsland eine langfristige Lebensperspektive haben, ist das Resettlement-Programm des UN-Flüchtlingshilfswerks (Unhcr). Es ermöglicht Flüchtlingen seit Jahren einen festen Aufenthaltsstatus in sicheren Staaten. Deutschland hat sich an dem Programm bisher nicht beteiligt. "Dabei gibt es hier die Möglichkeiten und Kapazitäten", sagt Dögüs. Etwa 15 000 Menschen jährlich wären eine denkbare Größe. "Deutschland hat als Industrienation eine Verantwortung am Resettlement-Programm teilzuehmen, so wie andere Staaten auch".

In Rostock bisher 60 Paten

Mit der Idee der "Save-me" Kampagne soll Rostock Bereitschaft zeigen, Flüchtlinge als Teil eines Resettlement-Programms aufzunehmen und dadurch ein deutliches Signal gegen die Ausgrenzung und Anfeindung von Flüchtlingen setzen. Bisher beteiligen sich 60 Paten in Rostock.

Imam-Jonas Dögüs hilft anderen Flüchtlingen bei Anträgen, Übersetzungen oder Ämtergängen, obwohl er nach fast zehn Jahren in Deutschland noch immer keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Damit gehört er zu den 230 Menschen in Rostock, die sich im Asylverfahren befinden oder in der Hansestadt geduldet werden. "Ich führe ein Leben in Ungewissheit", so der 42-Jährige. Deshalb widme er der Kampagne seine ganze Kraft. Hier online zu NNN

 

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